Dienstag, 22. Oktober 2013

Von dicken Beinen und Dankbarkeit

Laufen und Reiten, das ganze im Wechsel, verursacht, zumindest am Anfang gefühlt Beine wie ein Preisboxer. Nach der langen Laufpause komme ich allmählich wieder in einen Wohlfühlmodus und ja, ich bin sogar soweit zu sagen, dass ich mich wieder aufs Laufen freue. Gehpausen brauche ich zum Glück keine mehr zu machen, allerdings lässt das Tempo noch zu wünschen übrig. Aber, darauf liegt auch gar nicht mehr mein Fokus, ich möchte laufen, so dass es Spaß macht. Vielleicht macht es mir ja irgendwann wieder Spaß, schneller werden zu wollen, mal wieder Intervalle zu laufen oder ein Fahrtenspiel zu machen. Im Augenblick arbeite ich eher daran, die Distanz zu verlängern, denn schließlich möchte ich im Dezember die 18 Kilometer beim ATG "mit Anstand" schaffen. Das Ergebnis von Samstag reiten, Sonntag laufen, Montag reiten, Dienstag laufen fühlt sich jedenfalls noch nicht nach Gewöhnung an, eher nach einem straffen Body Buildung Programm. Aber Geduld war ja noch nie meine Stärke. Dran bleiben ist also die Devise.

Heute Morgen war ich bei unglaublich schönem Herbstwetter, es waren laut meiner Uhr um 9 Uhr bereits 17 Grad, im leuchtend goldenen Herbstwald unterwegs. Diesmal gezielt ohne Musik und dafür auch ganz langsam. Die Beine waren, wie oben schon erwähnt, ziemlich schwer, aber sie haben tapfer die 7 Kilometer durchgehalten. Dafür war ich sehr dankbar.

Ohnehin ist das Thema "Dankbarkeit" bei mir gerade sehr hoch im Kurs. Nachdem ich nun hoffentlich die Phase der midlife crises endgültig abgeschlossen haben (Danke Edgar!), komme ich so allmählich wieder in meine Mitte. Man sagt ja, nichts geschieht ohne Grund (also, zumindest sage ich das), so fielen mir zwei Bücher in die Hände, durch die ich im Internet auf eine tolle Motivationsgruppe gestoßen bin. Unmittelbar nach meinem Beitritt in die Gruppe, eröffnete jemand einen thread zum Thema: "Ich bin dankbar für..." Ich schrieb so dies und jenes da rein, wofür man eben so dankbar ist, doch je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr sind es die kleinen Dinge, die alltäglichen, die selbstverständlichen, für die ich plötzlich wieder sehr große Dankbarkeit empfinde. So war es zum Beispiel der Moment, als ich mir ein Glas Wasser eingoß, worüber ich plötzlich sehr dankbar war: Ich bin in der glücklichen Lage, mit einer klitzekleinen Handbewegung, kaltes oder heißes Wasser zu bekommen, ich darf eine saubere Toilette benutzen und muss mir über nichts weiter dabei Gedanken machen. Ich knipse einen Schalter an und habe Licht, meine Wäsche schmeiße ich in eine Maschine, auf Knopfdruck kommt ein Kaffee aus einer anderen Maschine, der Kühlschrank ist voll und hält die Lebensmittel frischer. Wow, was hier so banal klingt, ist für viele Menschen, die nicht das Privileg haben, in Europa geboren zu sein, nicht selbstverständlich. Ich denke gerade an die armen Seelen, die eine lebensgefährliche Bootsfahrt auf sich nehmen, ohne Hab und Gut, in der Hoffnung auf ein besseres und sichereres Leben, als da, wo sie her kommen.  Kommen sie trotz widriger Umstände doch an, will sie keiner haben, sie sind nichts wert, sie haben keine Lobby... Würden diese Menschen mich sehen, mein Haus, mein Auto, meine Arbeit, meinen Kleiderschrank (sowie meine 7 Paar Laufschuhe, ohne die "normalen" Turn- und Alltagschuhe!) und meinen Kühlschrank, sie würden denken, ich wäre ein sehr reicher Mensch. Und ja, das bin ich auch. Und dafür bin ich sehr dankbar! Dass ich heute morgen 7 Kilometer laufen konnte, ist auch nicht selbstverständlich. Denn wie viele Menschen sitzen in einem Rollstuhl oder haben nur ein, oder gar keine Beine? Wie viele Menschen sind so krank, dass sie gar nicht in der Lage wären, 7 Kilometer zu laufen? Nein, sich am Leid von anderen ständig zu orientieren macht sicher nicht glücklich auf Dauer. Aber es macht doch immerhin ab und an dankbar und auch demütig! Das zu erkennen, tut gerade richtig gut, ja, den Blick mal wieder auf das Wesentliche richten...


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