So kommen wir denn wieder in die Zivilisation, die Kräfte langsam am Ende, nach ca. 28 km. Dieser Park entpuppt sich als wahres Läufermekka, ein schnurgerader Weg mit KM-Markierungen (für Intervalle?), daneben ein glatter, roter Weg für Skater, daneben sogar noch ein Trail-Waldweg, alles natürlich beleuchtet. Wieso gibts sowas Tolles nicht mal bei uns?! Burgos ist eine riesige (und schöne) Stadt mit einer wunderschönen Kathedrale, einer herrlichen Altstadt, wo sich Kneipe an Kneipe reiht. Jetzt müssen wir noch ein Hostal finden, wo wir uns die letzten beiden Nächte einquartieren. Beim ersten öffnet uns keiner, beim zweiten werden wir in den 7. Stock gebeten. Ein Doppelzimmer mit Bad für 45 Euro pro Nacht, hier bleiben wir. Klein, sehr klein, aber es ist ok. Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf, um uns erneut mit Karel zu treffen. Wir suchen ein Lokal und essen noch einmal gemeinsam, trinken einen Rotwein-Absacker für 1 Euro und verabschieden uns diesmal endgültig, Karel geht seinen Weg ohne Ziel noch ein ganzes Stück weiter.
Am nächsten Morgen schlafen wir uns aus. In aller Ruhe machen wir uns auf, es ist wieder so furchtbar kalt, dass man überhaupt keine Lust hat, sich im Freien aufzuhalten. Wir frühstücken in einem Cafe vor der Kathedrale und durchstöbern sämtliche Souvenierläden, kaufen hier ein bisschen Kitsch und dort. Dann besichtigen wir die Kathedrale, oder zumindest Teile davon, denn in vielen Abschnitten wird mächtig gezimmert und gebaut. Sehr beeindruckend, aber eben auch sehr touristisch. Trotzdem hauen mich bei einem Bild die Emotionen um: Jesus begegnet seiner Mutter. Ob ich dabei mehr an meine Mutter denke oder es die Tatsache ist, dass ich selber ja auch einen Sohn habe, weiß ich nicht.
Eine moderne Variante des Kreuzwegs einer Malerin,
deren Namen ich leider nicht mehr finden kann.
Ein letztes Mal gibts am Morgen zwei Kaffee con leche und boccadillos con jamon, noch eine kleine Plauderei mit einer Australierin, die mit ihrer 14 jährigen Tochter den Weg pilgert. Interessant, wie viele junge Menschen und auch Generationspaare hier unterwegs sind.
Alles klappt wie am Schnürchen, wir packen am Flughafen wieder unsere Rucksäcke in die Tüten, checken ein, trinken wieder Kaffee und essen zum letzten Mal boccadillos und ab gehts nach Hause.
Am Flughafen in Düsseldorf steht Dirk mit roten Rosen - ich freu mich riesig. Wider Erwarten kommt auch Paul Heike abholen, wie schön! Wir verabschieden uns. Unterwegs holen wir beim Thailänder was zu Essen (endlich mal wieder was mit Gewürz!), wieder daheim. Die Woche ist nur so umgeflogen.
Nun, auf die Frage, wie wars in Spanien?, fasse ich für mich zusammen, dass es nicht so war, wie erwartet. Es war dennoch sehr schön, aber mehr wie Urlaub. Das lag vermutlich daran, dass die Zeit zum einen zu kurz war, um so richtig in das Pilgerfeeling zu kommen und zum anderen, weil wir nicht in den Herbergen übernachtet haben. Aber: muss ich das haben? Nein. Wir waren uns im Vorfeld einig, dass wir nach Möglichkeit in Doppelzimmern schlafen. Dadurch, dass wir immer gemeinsam unterwegs waren (teilweise ja auch zu Dritt) und uns auch im Vorfeld nur via Mail kannten, haben Heike und ich natürlich viel zu erzählen gehabt, außerdem nimmt man ja auch "Fremden" gegenüber mehr Rücksicht aufeinander und untereinander. Es war eine schöne und wertvolle Erfahrung. Aber so "gestückelt" pilgern möchte ich nicht mehr. Entweder heißt das Ding dann "Wanderurlaub" oder aber ich warte so lange, bis ich so viel Zeit haben werde, einmal einen Weg komplett zu gehen. Im Übrigen mag ich das Wort Pilgern auch nicht so sehr, es ist mir zu religiös. Natürlich bin ich ein gläubiger Mensch, aber dieses altmodische Wort hat für mich so einen negativen Beigeschmack, es klingt so nach Schmerzen und Buße, ich weiß nicht... Ich glaube beinahe, "pilgern" muss man eigentlich alleine, um den "Spirit des Camino" zu bekommen, sofern man wirklich seine Grenzen erfahren will. Der Weg ist lang und er ist hart, aber der Weg ist auch wunderschön. All das bekommt man nicht in einer Woche so richtig gelebt. Wie schon oben erwähnt waren sehr viele junge Menschen unterwegs und auch Paare und Familien. Dennoch war es zum Glück nicht so voll, wie ich fast befürchtet habe zur Osterzeit. Körperlich habe ich die Woche sehr gut weg gesteckt, was sicher an meinem Training im Vorfeld für den Halbmarathon lag. Eine klitzekleine Blase, ein wenig Muskelschmerzen an den Außenseiten der Oberschenkel und abends platte Füße ist so meine Bilanz. Gut, die Schultern und der Nacken tun natürlich die ersten 2 Tage ziemlich weh, bis man den richtigen Dreh mit dem Rucksackschnallen raus hat. Die letzten beiden Tage hab ich das Ding nicht mehr gemerkt. Spanisch zu sprechen ist für ein derartiges Vorhaben sehr von Vorteil, da die meisten kein Wort englisch sprechen (wollen?), auch alle Speisekarten sind in der Landessprache, was das Essen zu einem kleinen Abenteuer macht. Allerdings kann man häufiger das Glück haben, auf liebe Mitmenschen zu treffen, die sowohl englisch wie auch spanisch sprechen und einem demnach gern behilflich sind. Verlaufen kann man sich glaube ich kaum auf dem Camino, da überall mehr oder weniger häufig die gelben Pfeile oder eben die bekannten Muscheln den Weg weisen (zumindest auf dem Camino Francés bzw. auf unserem Abschnitt jetzt). Und nun habe ich fertig, mir fällt erst mal nichts mehr ein, was ich Euch berichten könnte.
Dass ich nun, wieder zu Hause, krank geworden bin, ist wirklich übel. Das kalte Wetter geht mir langsam aber sicher auf den Senkel...

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen