Mittwoch, 26. Oktober 2011

Pisa, Teil 1 (Tage 1 - 4)

23.10.2011: Ankunft in Pisa
Nach einer sehr entspannten Anreise kamen wir am Nachmittag in Pisa mit Sonnenschein an und nahmen unseren Leihwagen in Empfang, einen Ford Galaxy – sehr schön! Unser erster Eindruck von Pisa war: Viel Verkehr wegen vieler Autos, wenig Parkplätze und jede Menge Studenten, die über jede Menge Zebrastreifen hechten, dazwischen ganz viele Einbahnstraßen, verbunden durch Kreisverkehre. Unser Hotel, das AC Pisa, fanden wir sehr schnell, ein tolles Zimmer wartete auf uns. Beim Durchzappen des Fernsehers kam Überraschung Nr. 1 -> kein einziges deutsches Fernsehprogramm gespeichert. Oookaaay…was noch? Überraschung Nr. 2, kein W-LAN, das Internet kostet pro Tag 17 Euro oder 10 Euro für eine Stunde, somit kein Dauerinternetten. Wir werden auch mit diesen Bedingungen sicher gut leben können, na ja, zumindest werden wir es überleben ;-). Erst mal kurz ein wenig akklimatisiert, einen Kaffee Dank des mitgebrachten Reisewasserkochers gesüppelt und dann gings wieder zurück in die Stadt, auf der Suche nach etwas zu Essen. Für einen Sonntagabend war noch sehr viel los im Zentrum; wir suchten verzweifelt einen Parkplatz, überall Anwohnerparken oder eben besetzte Parkplätze wie Parkhäuser. Irgendwann, recht weit außerhalb, fanden wir dann eine Möglichkeit, das Auto abzustellen. Der Hunger machte uns langsam schweigsam. Nach ungefähr 10 Minuten entlang der Stadtmauer staunten wir nicht schlecht, als wir die schwarzen Männer, die sich sonst am Tour de Eiffel rum treiben, um ihre Mini-Eiffeltürme und Imitatuhren den Touris aufzuschwatzen, auch hier entdeckten. Nur gabs hier statt Eiffeltürmchen eben schiefe Türme. Lästig wie die Schmeißfliegen, die Kerle! Der erste Anblick, den wir dann von einem angeleuchteten, berühmten schiefen Turm bekamen, entlockte uns ein spontanes „Wow!“.


Sehr beeindruckend, die drei Gebäude nebeneinander (Taufkapelle, Dom und Friedhof) und in der Tat steht der 55 Meter hohe Turm erschreckend schief. Wir nahmen uns in den Arm, küssten und uns wünschten uns etwas, schließlich standen wir auf dem Campo dei Miracoli. Weiter gings und wir suchten in der abendlichen Aufbruchstimmung eine heimelige und romantische Pizzeria, schließlich wollten wir den ersten Abend gemeinsam in Italien stilecht erleben. Doch wegen inzwischen sehr großem Hunger und zu wenig Alternativen landeten wir in einer klassischen Touri-Pizzeria, direkt gegenüber der Universitätsmensa, wo auch noch reges Treiben herrschte. Wir waren die einzigen Gäste, die draußen saßen und bestellten zwei Pizzen und einen halben Liter Hauswein. Meine Aussage, die ich bereits vor über 20 Jahren traf, dass ich die schlechteste Pizza aller Zeiten in Italien gegessen habe, traf auch heute noch zu. Man könnte meinen, die Italiener verwenden keine Gewürze bei Pizzen und lassen die dünnen Oblaten absichtlich immer gerne anbrennen. Nach ein paar Bissen gewöhnten wir uns aber daran und so schmeckte es doch noch halbwegs passabel. Pappsatt waren wir allerdings nicht, aber das muss ja auch nicht sein. Wir kauften in einem Kiosk noch 2 Flaschen italienisches Bier, die wir gemütlich auf dem Zimmer tranken und lasen uns in Schlaf.


24.10.2011, Der erste Lauf und unsere Caching-Tour 1
Heute Morgen gegen 7:30 Uhr wurden wir ohne Wecker wach. Eine Mücke, eine Autoalarmanlage sowie ein Gang zur Toilette störten meine Nachtruhe unwesentlich. Trotz des Kaffees, den Dirk mir sogleich ans Bett brachte, war die Vorglühzeit für einen Lauf für mich mal wieder zu kurz. Somit war es ein gefühlter Kaltstart. Kalt im wahrsten Sinne, denn zu Beginn des Laufs war die Temperatur für mein gewähltes Laufoutfit grenzwertig. Das fanden sicher auch die ganzen Italiener, die in dicker Winterlaufkleidung unterwegs waren und uns befremdliche Blicke zuwarfen. Die ersten beiden Kilometer lief ich mit Dirk gemeinsam, somit für mich wieder zu schnell. Als wir uns trennten und die Knochen halbwegs wach waren, lief es besser. Der Weg war ein richtiger Fitnesspfad entlang des Arno, der auch ein paar Trimm-dich-Geräte bot.




Später entdeckte ich sogar ein richtiges Open-Air-Gym, das einem Spielplatz ähnelte, einfach nur Klasse! Hier stand eine Frau auf einem Stepper und ein älterer Mann übte sich im Beindrücken. Wirklich cool, so etwas wünschte ich mir auch für Herzogenrath. Ich denke, ich werde dem Bürgermeister mal ein paar Bilder mit einem netten Brief schicken. Es war demnach wieder ein Schleichlauf, der durchschnittliche Puls von 175 bpm wieder viel zu hoch! Morgens brauche ich einfach eine Stunde wenigstens, bis ich laufbereit bin und in die Puschen komme. Nach  5 km  war ich wieder am Hotel und ging fix unter die Dusche. Nach dem auch Dirk geduscht hatten, gingen wir in Ruhe frühstücken und kauften im Anschluss ein paar Kleinigkeiten im benachbarten Einkaufszentrum ein. Der Supermarkt war überdurchschnittlich gut sortiert, die Obst und Gemüseabteilung nicht ansatzweise mit unseren zu vergleichen. Dann machten wir uns au f, die ersten Auslandscaches zu suchen. Nummer eins sollte in der Nähe des Trimm-dich-Pfades sein, an dem wir am Morgen entlang gelaufen sind. Die Koordinaten führten uns zu Bambus, Schilf und ein Paar Büschen und Bäumen. Wir suchten uns einen Wolf und streunten durch die hohen Gräser in die Büsche hinein. Doch weit und breit kein Cache zu finden. Fußgänger schauten uns argwöhnisch an, wie wir so mit Bambusstöcken im Dickicht herum stocherten. Da die Koordinaten nicht immer 100 % stimmen, suchten wir im Radius von ca. 10 Metern alles noch einmal gründlich ab. Kurz bevor wir aufgeben wollten, zog es mich zu einem Baum, den wir bis jetzt als zu weit vom Zielgebiet angesehen hatten. Und siehe da, in der Astgabelung fand ich die Cachedose – die Freude war wieder mal groß!




Wir machten den Logeintrag und schossen ein paar Fotos und fuhren weiter Richtung zweitem Cache, der an einer Brücke ziemlich im Zentrum Pisas sein sollte. Relativ schnell fanden wir einen Parkplatz und gingen ein paar hundert Meter zu Fuß zur Brücke. Doch dieser Cache existierte scheinbar nicht mehr. Dirk las bei geocaching.com noch einmal nach, wie die letzten Logeinträge lauteten und es kam wohl schon häufiger vor, dass dieser Cache out of order oder weggemuggelt (von nicht geocachenden Menschen entfernt) war.
Anschließend fuhren wir in die Altstadt, um den Campo dei Miracoli mit seinen imposanten Bauwerken auch im Tageslicht zu sehen. Mit uns taten das mindestens 2.000 andere Touristen gleichzeitig, es war ein Gewusel und Gewimmel auf dem ganzen Areal und jeder zweite hatte eine Kamera oder ein Handy in der Hand, mit deren Hilfe er andere Menschen fotografierte, die irgendwelche komischen Bewegungen machten. Witzig.
In unmittelbarer Turmnähe fanden wir ein Cafe mit Außengastronomie; von dort aus konnten wir das Treiben auf dem Platz perfekt genießen und wir meinten beim betrachten des Turms gesehen zu haben, dass er sich einen weiteren Millimeter zur Seite neigte...

Den Tag beendeten wir mit einem nudeligen Abendessen in der Osteria „Il Capodaglio“ in der Via del Carmina.

25.10.2011, Cachingtour 2
Nach einer weiteren von Mückenjagden (2 auf einen Streich) gestörten Nacht fuhren wir nach dem Frühstück in die Altstadt und besichtigten die Kathedrale, die neben dem schiefen Turm steht. Trotz Regen war das Treiben wieder groß und abermals amüsierten wir uns sehr über Menschen, die mit seitlich ausgestreckten Armen imaginär irgendetwas festhielten oder weg schoben.
Nach der Fastfoodmittagspause beim goldenen M ging es auf eine innerstädtische Cachejagd. Den Ersten, am botanischen Garten, fand ich ruckzuck in einem Verkehrsschild.


Der zweite Cache, an der Piazza dei Cavalieri hatte gerade Pause, zumindest war er nicht dort angebracht, wo der Hint (Hinweis) hinzeigte. Da wir direkt an den Zielkoordinaten eine kleine Pause machten, konnten wir weitere Cacher beobachten, die unter die Infotafel kraxelten und den Cache dort genau so wenig fanden wie wir.

Wir hatten noch einen dritten Cache in unserem Forerunner gespeichert, etwa 800 Meter von der Piazza dei Cavalieri entfernt. Diesen Cache am Gondolierieplatz fanden wir trotz intensiver Suche nicht. Uns fehlen immer noch Handschuhe, um auch mal in dunklen, ekligen Ecken zu suchen. Der Platz lud nicht gerade zum Verweilen ein, Taubenscheiße und Müll machten das Suchen zu einem nicht sonderlich schönen Vergnügen. Allerdings kann man sich gut vorstellen, dass dieser Platz im Sommer, wenn gepflegt, sehr nett ist. Etwas enttäuscht gingen wir zurück zum Auto, wir waren auch richtig geschlaucht inzwischen.
Im Hotel angekommen machten wir eine kleine Siesta, bevor es in den Ort zur von Einheimischen geprägten Pizzeria-Kiosk-Ristorante ging. Die Pizzen auf der Speisekarte klangen alle sehr lecker und wir wollten den Italienern in Italien noch eine zweite Pizza-Chance geben. Was soll man groß herum reden, sie nutzten die Chance. Perfekt! Zur Pizza teilten wir uns eine Karaffe Vina-Casa und die Welt war trotz des durchwachsenen Urlaubwetters in Ordnung.

26.10.2011, Der zweite Lauf, Viareggio
Abermals mussten wir auch in dieser Nacht die Mücken jagen (3 auf einen Streich). Nach dem Frühstück fuhren wir mit einem kurzen Umweg über das Gestüt San Rossore, die Pferderennbahn  und den Parco Naturale di Migliarino, einem 24 000 Hektar großen Naturpark, den ich zufällig am Abend zuvor in der Pizzeria im Reiseführer entdeckte, nach Viareggio, zu unserem 2. Lauf. Der Parco Naturale, der nur samstags, sonntags und feiertags geöffnet ist, soll unser Ziel am Samstag werden für den Lauf Nr. 3, und somit für mich der letzte dieser Urlaubsreise. Der erste Eindruck war schlichtweg beeindruckend.

In Viareggio angekommen zeigte das Thermometer bereits 22 Grad an, der Himmel blau, die wenigen Wolken hingen eher wie Statisten in den Spitzen der Apuanischen Alpen. Viareggio ist wohl der bekannteste und schönste Badeort der Toscana (hier hat u. a. Giacomo Puccini seiner Zeit gelebt)  mit ewig langen Sandstränden und einer ebenso langen Promenade, hier reiht sich Strandlokal an Strandlokal. Wir konnten jedoch nur erahnen, was sich hier in der Hochsaison abspielt, denn alle Lokale waren schon geschlossen; nur die Geschäfte, Cafes und Eisläden auf der Promenade luden noch zum Verweilen ein. Parallel zur Promenade verläuft ein Pinienwald von ca. 3 km Länge, der in seiner Beschaffenheit sehr an den Thiergarten erinnert. Ein Mix aus Wald und Promenade sollte es also werden. Meine ersten Kilometer liefen katastrophal; ich musste bereits nach kurzer Zeit meine Schuhe loser schnüren und ein paar Lockerungsübungen für die Fußgelenke machen – meine Unterschenkel schmerzten wie Hölle und ich dachte kurz darüber nach, den Lauf sausen zu lassen. Noch langsamer als ohnehin lief ich dennoch weiter und mit und mit wurde es besser. Erst als ich meine Berlin-Playlist aufrief, lief es wieder rund. Die schlimmste Strecke war das Stück in der Sonne auf der Promenade und ich war einfach nur glücklich, als ich wieder in den Park hinein lief, der überall nur Schatten spendete. Nach 7,6 km war ich wieder am Auto und ein wenig stolz, doch noch durch gelaufen zu sein. Wir machten noch einen Fotostopp für Dirk an der Seebrücke, wo ein paar Wellenreiter ihre Künste zum Besten gaben. Dann gings zurück zum Hotel; eigentlich wollten wir im Anschluss noch nach Lucca, doch wegen der vergessenen Camera wurde nur ein kurzer und nervenaufreibender Stopp auf dem Parkplatz daraus… ?.

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